Sacheinnahmen als YouTuber, Influencer, Blogger richtig versteuern

In unserem Blog-Beitrag vom 24. Juli 2020  haben wir ausführlich erklärt, welche steuerlichen Fragestellungen wichtig sind, wenn du mit deinen Social-Media-Aktivitäten Einnahmen erzielst. Einnahmen hast du allerdings nicht nur in Form von Geld. Das wollen wir im Folgenden erläutern:

Was sind Sacheinnahmen?

Nicht selten erhältst du als Influencer Geschenke von Unternehmen. Vielleicht will die Kosmetikfirma, dass du ihre neue Hautcreme testest und sie geschickt in einem Posting platzierst. Oder der Sportartikelhersteller wünscht sich einen interessanten Beitrag in deinem Blog über seine neuen Produkte, die er dir deshalb großzügig überlässt.  Und genau diese Geschenke können für dich Einnahmen sein, die du als Sacheinnahmen versteuern musst. Sacheinnahmen sind aber nicht nur überlassene Produkte, sondern auch kostenlose Dienstleistungen, die du in Anspruch nehmen darfst. Das sind bspw. kostenlose Übernachtungen in Hotels, Einladungen zu Veranstaltungen oder komplette Reisen.

Warum muss ich Sacheinnahmen versteuern?

Auf den ersten Blick sieht es aus, als würdest du ein Geschenk erhalten. Es handelt sich aber nicht um ein Geschenk. Unternehmen machen die vermeintlichen Geschenke aus einem Grund: Du sollst für das Unternehmen Werbung machen. Das Steuerrecht bezeichnet die Überlassung von Gegenständen in Erwartung einer Gegenleistung als geldwerten Vorteil. Die Überlassung kommt der Entlohnung deiner Leistung gleich. Deine Leistung ist die Werbung für das Produkt bzw. das Unternehmen. Und aufgrund diesen Leistungszusammenhangs sind die vermeintlichen Geschenke ebenso zu versteuern wie normale Geldleistungen.

Wie werden die Sacheinnahmen versteuert?

Versteuert wird die Sacheinnahme mit dem Endpreis, gemindert um die üblichen Preisnachlässe.  D.h., dass für die Erfassung der Einnahme der übliche Anschaffungspreis einer überlassenen Sache zu berücksichtigen ist. Dadurch wird dein Gewinn automatisch erhöht. Der erhöhte Gewinn führt wiederrum dazu, dass du mehr Steuern zahlen musst.

Handelt es sich um gebrauchte Gegenstände, dann wird der Betrag zugrunde gelegt, den der Gegenstand durch einen Verkauf zur Zeit der Überlassung erzielt hätte. Auch bei gesponserten Reisen gilt der Gegenwert der Reise als Einnahme. 

Dazu ein Beispiel:
Du hast einen YouTube-Kanal und testest regelmäßig Handys und Tablets, um sie zu bewerten. Ein Hersteller von Smartphones schickt dir ein Handy, welches du in einem Video vorstellen sollst. Das Handy erhältst du kostenlos und darfst es nach der Vorstellung in deinem Video behalten. Es hat einen Wert von 1.200 EUR. Diese 1.200 EUR musst du als Sacheinnahme versteuern, da dein Gewinn sich um 1.200 EUR erhöht.

Wichtiger Praxis-Tipp:
Wenn Du ein Gratisprodukt erhältst, solltest Du in einem Onlineshop, im Einzelhandel oder im Internet den Verkaufspreis recherchieren und diesen als Einnahme in der Buchhaltung vermerken. Es empfiehlt sich, einen möglichst günstigen Preis zu suchen und diesen per Screenshot, Ausdruck, Kopie, Preisprospekt oder Vergleichbarem als Nachweis für das Finanzamt zu archivieren.

Muss ich ein Sachgeschenk immer als Einnahme erfassen?

Es kommt auf den Einzelfall an, denn es gibt drei Ausnahmen, die nicht zu einer Versteuerung als Sacheinnahme durch dich führen. Dazu gehören

  • Produkte, welche nur zum Testen für einen bestimmten Zeitraum verwendet und zeitnah wieder zurückgeschickt werden,
  • Werbe- und Streuartikel mit einem Wert von unter 10 Euro sowie
  • pauschal versteuerte Produkte durch das Unternehmen, das die Produkte zur Verfügung stellt.

1. Zurücksenden:
Willst du die zugesandten Produkte nicht nutzen, solltest du sie zeitnah an den Absender zurückschicken. So entsteht für dich kein wirtschaftlicher Vorteil und du musst die erhaltenen Produkte auch nicht als Sacheinnahme versteuern.

2. Werbe- und Streuartikel:
Wenn der Wert des Produkts 10 EUR nicht übersteigt, dann ist das Produkt für dich steuerfrei. Bis zur Grenze von 10 EUR gilt ein Geschenk als Werbeartikel, der nicht versteuert werden muss.

3. Pauschalierung:
Eine weitere Möglichkeit Sachgeschenke steuerfrei zu erhalten, ist die Versteuerung durch das schenkende Unternehmen. D.h. das Unternehmen, das dir das Produkt zusendet, bezahlt pauschal 30 Prozent vom Wert des Geschenks und führt den Betrag an das Finanzamt ab. Die Möglichkeit der Steuerpauschalierung kann jedoch nur angewendet werden, wenn die einzelne Zusendung den Wert von 10.000 Euro nicht überschreitet und auch die komplette Anzahl der Zusendungen von ein und demselben Unternehmen innerhalb eines Jahres die Grenze von 10.000 Euro nicht übersteigt. Sollte die Pauschalierung nicht möglich sein, musst du die Produkte wieder als Einnahmen wie oben beschrieben versteuern.

Praxishinweis: Wichtig ist, dass das schenkende Unternehmen die Übernahme der Steuerlast dir gegenüber schriftlich erklärt. Dies musst du dem Finanzamt jederzeit nachweisen können. Du solltest entweder eine Rechnung vorlegen können, die die Pauschalierung der Einkommensteuer bei Sachzuwendungen ausweist oder eine vertragliche Vereinbarung vorweisen können, die die Steuerübernahme durch das Unternehmen regelt.

Vorsicht: Kann das Finanzamt nicht nachvollziehen, ob die öffentlich präsentierten Produkte bereits versteuert wurden, wird die zu zahlende Steuer geschätzt. Eine Schätzung wird in der Regel für dich mit erheblichen Nachteilen verbunden sein.

Kann ich den Wertverlust eines Produkts als Betriebsausgabe geltend machen?

Ja, wenn es sich um ein Wirtschaftsgut des Anlagevermögens handelt. Das bedeutet, dass das Produkt voraussichtlich länger als ein Jahr von dir genutzt werden kann. Einerseits ist das erhaltene Produkt dann als Sacheinnahme von dir zu versteuern. Andererseits führt der Wertverlust des Produkts auch zu einer Betriebsausgabe, die deinen Gewinn reduziert. Diese Art der Betriebsausgabe nennt man Abschreibungen. Den Wertverlust kannst du verteilt über die zu erwartende Nutzungsdauer als Betriebsausgabe geltend machen.

Deutlicher wird das an unserem Smartphone-Beispiel:
Im ersten Schritt hast du das Smartphone als Einnahme erfasst und versteuert. Es verliert jedes Jahr etwas an Wert. D.h. wir unterstellen eine Nutzungsdauer von 3 Jahren, da das Smartphone danach technisch verbraucht ist. Jedes Jahr kannst du 400 EUR als Abschreibung bzw. Betriebsausgabe geltend machen (1.200 EUR / 3 Jahre). Die Abschreibung vermindert deinen Gewinn.

Was ist ein geringwertiges Wirtschaftsgut und welche Vereinfachung ermöglicht es?

Liegt der Wert der überlassenen Sache nicht über 800 EUR, kannst du diesen sofort als Betriebsausgabe abschreiben. Eine Verteilung über die zu erwartende Nutzungsdauer ist nicht erforderlich.

Was passiert, wenn ich ein Produkt privat nutze?

Wieder erklärt an dem Smartphone-Beispiel:
Im ersten Schritt ist das Handy als Sacheinnahme zu versteuern. Nutzt du das Handy nach dem Video privat, musst du zusätzlich eine sogenannte Entnahme versteuern, da du das Handy aus dem Betrieb in dein Privatvermögen entnimmst. Die Entnahme ist von dir mit dem sogenannten Teilwert zu erfassen. Der Teilwert ist, vereinfacht ausgedrückt, der Wert des Handys zum Zeitpunkt der Entnahme. Die Entnahme erhöht wiederum deinen Gewinn, da du das Handy anstatt es privat zu nutzen auch an eine andere Person hättest verkaufen können.

Und was ist mit der Umsatzsteuer?

Die oben genannten Punkte gelten lediglich für die Einkommensteuer. Jetzt stellt sich die Frage, ob du auf die Sacheinnahme auch Umsatzsteuer bezahlen musst. Da Sacheinnahmen wie Einnahmen in Form von Geld versteuert werden müssen, gilt grundsätzlich auch hier, dass für Sacheinnahmen Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen ist.

Falls Du Fragen zu steuerlichen Themen hast oder unsicher bist, welchen Pflichten Du nachkommen musst, komm´ bitte auf uns zu. Wir bieten Dir ein kostenfreies Erstgespräch – natürlich auch gerne online.

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Hinweis: Die angeführten Erläuterungen haben lediglich informatorischen Charakter, stellen keine Rechts- oder Steuerberatung dar und können diese nicht ersetzen. Die Informationen sind abstrakt und können nicht pauschal auf jeden Einzelfall angewendet werden.

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